Eine Frau für alle (Ab-)fälle


Evelyn Theis ist Expertin für gefährliche Abfälle bei der Bellersheim Unternehmensgruppe.

Warum ihr Arbeitsalltag ganz anders, teils hochwissenschaftlich ist, als man zunächst annimmt, erklärt sie im Interview.

Frau Theis, mit welchen Abfällen haben Sie es denn tagtäglich zu tun?
Das sind die unterschiedlichsten Flüssigkeiten und Stoffe, beispielsweise alte Farben, ölverschmutzte Sachen, Asbest von der Hausabdeckung, Altöle oder Lösemittel. Allerdings auch zum Teil giftige Chemikalien. Diese chemischen Abfälle holen wir in der Regel selber vor Ort ab, zum Beispiel von Apotheken oder Schulen.

Das klingt aber gefährlich.
Für den Laien sicherlich. Allerdings weiß ich, was ich da tue. Bei solchen Einsätzen trage ich die dafür notwendige Schutzkleidung inklusive Mundschutz und Handschuhen. Die einzusammelnden Abfälle verpacke ich in spezielle Fässer. Diese nehme ich dann mit zu uns in den Betrieb und lagere Sie erst einmal im sogenannten Zwischenlager sicher ein. Je nachdem, welche Mengen angefallen sind, ist das Handling der Fässer körperlich recht anstrengend. Genauigkeit und verantwortungsvolles Handelns ist beim Umgang mit gefährlichen Abfällen gefragt.

Welche fachlichen Voraussetzungen verlangt dieser Beruf?
Mathematik, Physik und Chemie sind dabei wichtig, denn oft geht es auch um gefährliche Substanzen. Die TRGS 520 (Technische Regel für Gefahrstoffe) verlangt, dass für jede Sammelstelle und für jedes Zwischenlager gefährlicher Abfälle eine Fachkraft als Verantwortlicher benannt ist. Diese muss gemäß TRGS 520 Nr. 5.2 Abs. 2 "über die erforderlichen Kenntnisse zum Erkennen der Gefahren und der notwendigen Schutzmaßnahmen beim Umgang mit gefährlichen Abfällen verfügen".
Ich bin Chemikerin. Während meines Studiums habe ich hier bei Bellersheim als Aushilfe gearbeitet. Nach meinem Studium habe ich dann hier eine Festanstellung in der Abfallwirtschaft bekommen. Das war vor 23 Jahren. Damals galt eine Chemikerin noch als Exotin. Chemie studierten fast ausschließlich Männer. Inzwischen hat sich das zum Glück verändert und immer mehr Frauen drängen in die frühere Männerdomäne.

Was passiert denn eigentlich mit den eingelagerten Chemikalien?
Das entscheide ich immer individuell und hängt von den tatsächlich vorhandenen Inhaltsstoffen ab. Um die genaue Zusammensetzung der Abfälle herauszubekommen, ziehen ich und meine Kollegen Proben. Die Proben lassen wir in einem externen Labor analysieren. Von dort bekommen wir dann eine Liste, auf denen alle enthaltenen Stoffe nach Art und Menge aufgelistet sind. Erst danach entscheiden wir über das weitere Verfahren. Aber auch bei den nicht-chemischen Abfällen achten wir sehr genau auf die tatsächliche Zusammensetzung. Teilweise bekommen wir Abfälle auch angeliefert. Bevor diese dann ins Zwischenlager wandern, klassifiziere ich sie erst einmal genau. Dafür gibt es sogenannte Abfallschlüsselnummern. Nach diesen Nummern sortiere ich dann die Abfälle in Fässer. Wir achten darauf, dass die Fässer  möglichst komplett gefüllt bekommen.

Was fasziniert Sie nach über 20 Jahren noch immer an ihrem Beruf?
Vor allem die Abwechslung macht mir besonders viel Spaß. Ich habe in meiner bisherigen Zeit hier bei Bellersheim ganz viele unterschiedliche Dinge im Bereich Abfallwirtschaft gemacht. Zusammen mit meinen Kollegen mache ich Sondermüllfahrten, ich arbeite im Abfalllager und auch hier im Büro gibt es immer wieder etwas Neues, sei es die Auftragsannahme, Kundenberatung oder Auftragsabwicklung. Ich mag die Arbeit in einem kleinen Team. Hier im Büro sind wir zwei Kollegen und unten im Zwischenlager arbeiten drei weitere Kollegen sowie ein Auszubildender. Die Abwechslung, das verantwortungsvolle und eigenverantwortliche Arbeiten sind das Schöne an diesem Beruf.

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